Am Bankerl – die Schlögener Schlinge und Geduld

Eine Bank an der Donau im Grünen. Dahinter sieht man die Schlinge und das Tal der Donau

Ab und an passiert es mir.

Ich sehe ein Foto im Internet, einen Beitrag in Facebook oder jemand erzählt mir darüber. Dann lässt es mich nicht los bis ich selbst dort war.

So ging es mir mit der Schlögener Schlinge im Oberen Donautal. Sie hat mich in den letzten Wochen fast verfolgt. Darum ging es gestern dorthin – ein Ausflug für einen Sonnentag. Die Schlinge liegt zwischen Passau und Linz und wurde 2008 von der oberösterreichischen Bevölkerung zum Naturwunder Oberösterreichs erklärt.

Die ganze Schlinge im Vordergrund die Donau und ein Blick in beide Teile des Donautals

Selbstverständlich habe ich auch ein Bankerl gefunden. Was heißt eines, eigentlich viele und die Entscheidung fällt mir schwer, welches ich Euch heute vorstelle.

Darum habe ich jetzt eines genau gegenüber einer der Schlingenteile gewählt. Da sitze ich und blicke auf die Donau. Hier an diesem Ort Platz-nehmen ist besonders – Berg, schmale Straße, Donau, schmale Straße, Berg. Dazwischen eben diese kleine Halbinsel in der Schlinge. Ein Naturwunder. Die Donau, die sich über Jahrtausende oder noch länger, ihren Weg durch dieses Tal erarbeitet hat. Und ich denke an einen Satz von Laotse, den ich im UnterWasserReich in Schrems gelesen habe.

Text auf dem Bild von Lao-Tse: Auf der Welt gibt es nichts, was weicher und dünner ist, als Wasser. Doch um Hartes und Starres zu bezwingen, kommt nichts diesem gleich.

Wasser hat Geduld, oft unendliche Geduld. Der stete Tropfen höhlt den Stein. Auch das ist ein Spruch über das Wasser. Und dann noch „Treib’ den Fluss nicht an, lass’ ihn strömen“ auch von Lao-Tse. Er scheint, ein weiser Mann gewesen zu sein.

Alles braucht seine Zeit, das Gras wächst nicht schneller, wenn man ständig dran zieht. Geduld – welche vernachlässigte Tugend in unserer Zeit. Immer sofort, auf der Stelle, umgehend, zeitnah (ein moderner Euphemismus (beschönigender Ausdruck) für sofort 🙂 ) – das ist scheinbar, das Einzige, was zählt. Sonst ist man heutzutage aus dem Rennen.

Sogar der Salami und dem Käse werden Reifekulturen zugesetzt – Zeit ist Geld. Gleichgültig, ob Mensch, Tier oder Pflanze, es muss immer schneller gehen. Wir haben keine Zeit mehr, um Geduld zu haben. Schnell sind wir genervt, weil wir an der Supermarkt-Kasse, zwei Kunden vor uns haben oder der/die neue Kollege/Kollegin einen Vorgang nicht sofort versteht. Und wie ungeduldig sind wir meist erst mit uns selbst.

Darum tut es gut, hier an der Donau zu sitzen. Ihr an diesem wunderschönen Platz beim Fließen zuzusehen. Sie hat ihr ureigenes Tempo, lässt sich nicht reinreden in ihren Fluss. Ob sie je ungeduldig mit sich selbst ist? 🙂

Eine Bank an der Donau gegenüber der Schlinge Eine Bank an der Donau zwischen zwei Birken und Booten an der Donau - bei Aschach

Am Ufer der Donau sitzen einige Schwäne und putzen sich. Die Donau mit ganz vielen Schwänen im Vordergrund und im Hintergrund das Donautal

Geduldig mit sich selbst sein, eine große Herausforderung. Sich Zeit zu geben, etwas zu lernen im eigenen Tempo. Daran arbeite ich.

Wie geht es Euch mit Geduld? Habt Ihr ein Beispiel für mich? Wo reisst Euch der Geduldsfaden? Und wie geduldig seid Ihr mit Euch selbst? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

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43 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Ich bin auch immer schnell genervt. In letzter Zeit prädige ich mir aber immer selbst „Aufregen ändert doch auch nichts!“ Also wuuuuhhsaaa und die Situation locker nehmen. Ein wirklich schönes Plätzchen Erde hast Du Dir da ausgesucht 🙂
    Lieben Gruß
    Jil

  2. Sehr schöner Beitrag! Da will ich auch mal hin

    Mit war bis vor Kurzem ziemlich ungeduldig, wenn’s ummerfolge ging. Ich konnte nicht warten, bis ich endlich erste Resultate sah.

    Heute weiss ich aber, dass der Erfolg von alleine kommt, wenn das Gemachte von Herzen kommt. <3

  3. Ich freue mich deinen Beitrag zu lesen und finde ich bin sehr geduldig! Ich bin sehr viel in der Natur unterwegs und gelassen. Wenn ich deine Bilder dazu sehe wuenschte ich, ich koennte morgen hin fahren und ein paar ruhige Stunden mit einem Buch in der Hand auf dem Bankerl verbringen!
    Liebe Grüße,
    Alex.

  4. Seit Jahren bete ich zum Herrgott: „Bitte gib mir Geduld – aber schnell!“ Bisher hat es nicht geklappt, ich bin immer noch die Ungeduld in Person.
    Immer allerdings, wenn ich deinen Seiten besuche, komm ich irgendwie runter…und lass mich von deiner Gemütlichkeit treiben. Du findest aber auch immer die schönsten Plätze, Chapeau!
    Verspielte Grüssle,
    Simone

    1. Liebe Simone, Deine Feedbacks sind immer wie Balsam auf meiner Seele. Herzlichen Dank! Es freut mich, dass ich genau das bei Dir erreiche, was ich mir wünsche. Nämlich Menschen für ein paar Minuten aus ihrem Alltag herausholen. Ja, ich mag diese gemütlichen, irgendwie meist unspektakulären Plätze, die oft genau deswegen so besonders sind. Danke

    1. Liebe Sigrid, weil Du einfach die ganze Zeit in Amerika herumreist 🙂 Wozu in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah, lach. Siehst, Du deckst Amerika ab, ich die nähere Umgebung. So lernen wir beide Gegenden kennen. Herzliche Grüße Michaela

  5. Liebe Michaela,
    wieder ein sehr schöner Tip von dir. Das Obere Donautal kenne ich nicht so gut, das untere sehr. Geduld ist bei mir leider ein heikles Thema. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, vor allem bei Dienstleistern oder Handwerkern. Leider sind viele auch unzuverlässig und ich warte dann wie auf heißen Kohlen und habe die gemeinsten Gedanken. Auch an der Supermarktgasse würde mir manchmal etwas Geduld gut stehen. Dann braucht die ältere Omi eben etwas länger oder die Frau mit den Kindern, die noch quängeln. Ich nehme viel mit aus deinem Beitrag. Hab ein schöner Abend. LG Julia

    1. Liebe Julia, wir üben einfach das Geduldig-sein. Es gibt immer gute, bessere und weniger gute Tage. Wir sind Meisterinnen beim Üben. Es gibt eine ZEN-Weisheit „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“. Die passt für mich auch bei Geduld. Es geht ja meist eh nicht schneller, wenn wir ungeduldig sind. Sind ja nur unsere Nerven. In diesem Sinne herzliche Grüße

  6. Hallo, ein schöner Platz, die Bilder strahlen wie Ruhe aus. Bei mir ist es mit der Geduld auch nicht so, kann noch dran arbeiten.
    Liebe Grüße
    Bo

    1. Ja, die Donau hat auf mich auch eine spezielle Wirkung. Sie ist kein normaler Fluss. Da ist mehr. Und natürlich auch die Fähren und Schiffe auf der Donau. Da kann unsere Salzach hier nicht mithalten. Ich habe auch Meer-weh 🙂

  7. Liebe Michaela,

    da war ich noch nie – ist aber ein wunderschöner Platz und ein traumhafter Ausblick <3! Wie immer sehr gerne gelesen!

    Sonnige Grüße
    Verena

  8. Welch ein Zufall!
    Sind letzte Wochen von Salzburg über Passau nach Linz geradelt.

    Eine wunderschöne Pause – mit Steckerlfisch – an der Schlögener Schlinge!

    Da gibt’s eine Fähre für Radler…. das entschleunigt!

    …frag mich, ob Radeln geduldiger macht?
    Manchmal schon, weil die Zeit langsamer vergeht…

    Danke für deinen stimmigen Beitrag, werde heute vor allem geduldiger sein…?

    1. Zumindest das Nicht-Radfahren-können macht geduldig – ich denke da an meinen Radunfall damals. 😀 In diesen 1,5 Jahren wurde ich so was von geduldig. Ist aber auch nicht ever lasting. Schön, dass Du da auch warst – diese Synchronizitäten. Liebe Grüße

  9. Ein schöner Bericht 🙂 Bei mir ist es mal so mal so. Ich glaube schon, dass ich sehr geduldig bin – das wird mir jedenfalls oft gesagt. Aber wenn mein Geduldsfaden am Ende ist, kann der Vulkan sehr heftig expolideren 😉

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

  10. Ein toller Bericht von einem traumhaften Ort. Ich liebe es, vor der Donau zu sitzen, um nachzudenken oder einfach abzuschalten. Ich bin froh, in Wien zu wohnen. 🙂

    1. Stimmt, in Wien hat man ja die Donau meistens fast vor der Haustür 🙂 Unsere Salzach hat ja auch was, aber die Donau ist schon besonders. Mich faszinieren einfach immer wieder die Schiffe auf der Donau. Herzlich

  11. Wunderschöne Bilder! Da wäre ich jetzt auch gerne und würde meinen Alltag einfach mal Alltag sein lassen.
    Was Geduld angeht, so bin ich wahrlich nicht damit gesegnet. Es fängt schon beim Paket-bestellen-und-erwarten an und hört nicht mal beim Warten auf den Bus auf. Ich bin schrecklich, schrecklich ungeduldig. Es kribbelt manchmal richtig, wenn etwas nicht schnell genug geht.
    Am schlimmsten habe ich das nach der Geburt meines Kleinen gemerkt: Wenn er nicht direkt einschlafen wollte, wenn er so langsam gestillt hat, dass ich fast durchgedreht bin usw. Seitdem habe ich mich meinem Kind zuliebe ein bisschen zusammenreißen können und gemerkt, dass man Geduld auch lernen kann. Es ist seitdem viel besser geworden. Auf den Bus warte ich aber immer noch nicht gerne.

    1. Stimmt, in gewissen Bereich lernt man schon mal Geduld, aber überall geht es auch nicht. Bei mir ist es an der Kassa anstehen. Das mag ich einfach nicht. Auch wenn ich 10x weiß, dass es deswegen nicht schneller geht, aber trotzdem…

  12. Total schöner Blick, da könnte man Stunden verbringen. Ich liebe solche Landschaften, bei denen man nicht ansieht, das Menschen hier dennoch ihr Hände am Werk haben. Solche schönen Fleckchen, gibt es einfach viel zu wenige.

    Alles liebe

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