Rundweg in der Weitwörther Au und Waldbaden

Panoramblick von Holzsteg über den Auwaldsee

Inspiriert durch das Posting einer Facebook-Freundin ging es vergangene Woche zur Weitwörther Au bzw. Salzachauen. Rundwege liebend war ich natürlich Feuer und Flamme für einen Spaziergang in einer Aulandschaft mit cooler Holzarchitektur. Ein feiner sonniger Sonntag war gerade der richtige Zeitpunkt für den kleinen Ausflug dorthin.

So geht es in die Weitwörther Au

Sportliche Menschen kommen mit dem Rad oder zu Fuß. Es gibt sogar einen Rad-Parkplatz, Umweltbewusste nehmen die Lokalbahn, die 10 min. entfernt am Weitwörther Bahnhof hält und die anderen fahren mit dem Auto und parken im Gewerbegebiet vor dem Zugang zum Augebiet bzw. gibt es auch fast am Auwaldsee noch einen Behindertenparkplatz.

Barrierefreier Rundweg – entzückende Illustrationen

Eine Forststraße führt durch Teile des Fichtenwaldes mit kleinen Lichtungen zum Auwaldsee der Weitwörther Au. Dort weisen Schilder den barrierefreien Rundweg um den See aus und superlieb illustrierte Schautafeln informieren über Wissenswertes zu den einzelnen Teilen des Rundweges.

Schautafel "Tot oder lebendig?" am Auwaldsee-Rundweg mit detaillierten lustigen Illustrationen

Zur Zeit gibt es noch die Baustelle für die Auwerkstatt, die nächstes Jahr eröffnet werden soll. Der Kran an der Baustelle ist von weitem zu sehen, wie (Re)natur(iertes) und Baustelle nebeneinander liegen. Im ersten Moment etwas irritierend, doch schnell vergessen, wenn man den Weg nimmt und in ihn eintaucht.

Die Holzarchitektur der Stege, Aussichtsplattformen und der Vogelbeobachtungshütte lässt den Rundgang noch interessanter wirken. Wie lange der Weg dauert, kann ich nicht sagen, zu viel Zeit haben wir mit schauen, bewundern, fotografieren und genießen verbracht. Da ich zur Zeit auch ziemlich fußlahm bin, waren wir sicher an die zwei Stunden unterwegs. Gemäß Schätzung meiner Facebook Freundin Renate Fuchs-Haberl alias Wildmohnfrau wäre der Weg ca. 30-40 Minuten reine Gehzeit.

Blick über das Schilf und das Gelände des Holzsteges
Blick auf den Holzsteg mit Auwald im Hintergrund

Weitwörther Au – geheimnisvolle Welt

Doch die Gegend ist viel zu spannend für einfach Durch”rennen”. Die letzten blühenden Pflanzen wie Kuckucksblume, Vogelmiere und Taubnessel zeigen sich noch. Die Pfaffenkapperl strahlen in indisch inspirierter Farbenpracht, die stinkenden Früchte eines Strauches leuchten noch morbid in verschiedenen Rottönen. Da und dort findet sich noch ein Rotklee. Viele Blumen sind verblüht und vertrocknet, wirken wunderlich und auch mal kuschelig. Die Sonne lässt sie glitzern und fast wie Zauberpflanzen erscheinen. Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft nur novembermäßig herbstlich, doch bei genauerem Schauen findet sich ständig etwas, das sich bewundern lässt.

Den Blick fürs Wesentliche üben

Ein Frosch im flachen Tümpelbereich, der nur durch das nette Aufmerksammachen einer anderen Besucherin sichtbar wird. So gut getarnt. Der kleinere Frosch daneben ist schon fast nicht mehr zu erkennen.

Gut getarnter brauner Frosch im Tümpel
Selbstgebasteltes kleines Boot mit einem Kastanienblatt als Segel auf dem Auwaldsee

Die Schwämme, die die morschen Bäume beim Sterben unterstützen, schön getrennt in weiße Schwämme links und orange Schwämme rechts. Nur ein ganz Frecher drängte sich in das einheitliche Farbenbild der gegenüberliegenden Schwämme. Wie kleine samtige Kuschelpolster wirken die Schwämme und entlockten uns das eine und andere wow, so schön, mei schau amoi und noch ein Foto und noch ein Foto.

Mit einem Paar kamen wir ins Gespräch und ließen uns über die Krähenscharben-Kolonie aufklären, die einige Auwaldbäume bewohnen. Sie gehören zur Familie der Kormorane. Geräuschvoll starten und landen diese Vögel am Wasser und in den Bäumen.

Es ist ein feiner Weg, der sich je nach verfügbarer Zeit und Kondition noch ausweiten lässt. Je nach Jahreszeit wird dort sicher etwas geboten. Ich komme wieder!

Hashtag #unterwegsaufmeineart

An dieser Stelle ein ganz besonderes Danke an meine Freundinnen, die mich, die Rennschnecke, bei solchen Spaziergängen begleiten. Ich mag gerne raus in die Natur, bin jedoch aus diversen Gründen (nicht nur wegen meines Gewichtes!) nicht die Schnellste. Einer dieser Gründe ist, dass ich immer schauen mag. Darum auch der hashtag #unterwegsaufmeineart auf meinem Instagram-Account und Blogbeiträge wie Naturerlebnisweg Obertrum – Spazieren am See. 😊

Waldbaden, der neue Hype

Heute wird der Waldspaziergang oder einfach ein bewusstes Spazierengehen in der Natur als Waldbaden gehypt und vermarktet. Das bewusste in den Wald gehen, riechen, schauen, etwas berühren und innehalten. Wie heilsam ist es mit lieben Menschen einmal ruhig durch den Wald zu gehen, wahrzunehmen, was es eigentlich alles zu bewundern gibt. Bewusst vereinbaren, die Alltagsthemen draußen zu lassen und sich einfach gegenseitig auf Schönes aufmerksam zu machen. Vogelgezwitscher, Geruch, raschelndes Laub, ein Tier oder eine mystisch verzweigte oder bemooste Wurzel, so vieles gibt es zu bewundern. Bunte Blätter, die letzten Brombeeren des Jahres und Pilze in alle Variationen, egal ob essbar oder nicht. Oder sich einfach auf einer Bank oder einem Baumstamm Platz-nehmen und die Natur belauschen, Vogelgezwitscher, summende Insekten, der Wind in den Bäumen. Braucht es wirklich Anleitung zum Waldbaden? Ein Buch dazu? Eher eines zur Pflanzen- oder Pilzbestimmung.

Natur – nur mehr ein Sportgerät?

Aber in einer Zeit, in der die Natur ist fast zu einem Sportgerät verkommen ist, Mittel zum Zwecke der körperlichen Ertüchtigung geworden ist, scheint es wirklich notwendig, unter dem Modewort Waldbaden, die Menschen wieder auf die Natur und ihre Geschenke für sie aufmerksam zu machen. Der Zweck heiligt die Mittel. Wenn dem so ist, so lassen wir den Hype Waldbaden um die Welt gehen und uns wieder mehr in der Natur als Genießende und nicht als Störrende treffen.

Wie genießt Ihr die Natur? Bewusst und genießend oder eher als „Sportgerät”

Information zur Weitwörther Au:

  • Anreise mit Fahrrad, Lokalbahn und Auto möglich
  • 30-40 min. Rundwandweg um den See (geschätzt), kann aber mit einem Abstecher an die Salzachplattform erweitert werden
  • Schotterweg
  • barrierefrei
  • geeignet für alle Konditionen
  • ganzjährig begehbar
  • Fahrräder sind auf dem Rundweg nicht erlaubt!

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8 Kommentare

  1. Das ist wirklich ein Platz zum Seele baumeln lassen. Die Antennen ausfahren und wahrnehmen, was rundherum lebt. Ich finde, man spürt richtig, wie gut es Mutter Natur tut, dass durch die Renaturierung ihre Wunden geheilt werden. Ein sehr vorbildliches Projekt, ganz fein gemacht.

    1. Danke für Deine Rückmeldung, es ist wirklich ein besonderer Platz. Was Plätze wie diesen noch schöner macht, ist es solche Plätze mit gleichgesinnten Menschen zu besuchen.
      Die Renaturierung ist wirklich so gelungen. Da hast Du vollkommen recht. Danke!

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